Sobald das Boot festgemacht war, sind wir auf direktem Weg zum Lift gegangen, um ganz sicher zu sein, dass wir hier endlich – immerhin im dritten Anlauf – mit dem Boot an Land können. Zu unserer großen Erleichterung entsprach die Größe des Lifts dieses Mal den zuvor gemachten Angaben und wir haben direkt den frühestmöglichen Termin zum Kranen vereinbart.
Guten Mutes haben wir dann den Einklarierungsvorgang in Angriff genommen. Einige Stunden und ein paar sehr spezielle Erlebnisse später war auch das geschafft. NDie Beamten waren zwar alle freundlich, aber so unvorstellbar langsam, ja geradezu unbeholfen bei jedem einzelnen Handgriff, dass es alles in den Schatten gestellt hat, was wir in den vielen Ländern zuvor bei gleicher Gelegenheit erlebt haben. Am längsten werden wir uns wohl an die beiden jungen Zollbeamten m/w erinnern, die erst nach ausdauerndem Klopfen die verschlossene Tür zu ihrem fensterlosen, tiefgekühlten Container geöffnet haben und dann nach mehreren Tests endlich die Stempel in die Pässe gedrückt haben. Bei dem strahlenden Lächeln der beiden alles kein Problem.
Das Kranen verlief ohne Schwierigkeiten, auch Abstrahlen und Antifouling waren für die Leute hier Routinearbeiten.




Während unser Boot an Land stand, haben wir ein Hotelzimmer in Colon, ca. eine halbe Stunde von der Marina entfernt, genommen. Die Hafenstadt ist das Gegenteil eines Touristenortes. Zwar legen hier regelmäßig Kreuzfahrtschiffe an und es gibt eine riesige Duty-Free-Einkaufszone, aber die Urlauber kommen nur, um die Kanalschleusen zu sehen und günstig einzukaufen. In der Stadt trifft man ausschließlich Einheimische. Der größte Teil des Ortes ist tatsächlich verfallen, Ruinen und Müll prägen fast überall das Stadtbild. Im seltsamen Kontrast dazu ist die große Mehrheit der Leute ordentlich angezogen, heiter und uns gegenüber ausgesprochen freundlich. Nur ein einziges Mal wurden wir angebettelt, oft dagegen sehr nett angesprochen. Nach dem ersten Schock haben wir uns zwar nicht wirklich wohl, aber auch nicht unsicher oder wenig willkommen gefühlt. Restaurants gab es so gut wie gar nicht, wir haben aber an den Ständen an der Straße gut und günstig gegessen. Auf die Frage, warum die Menschen freiwillig in solcher Verwahrlosung leben, haben wir keine Antwort gefunden.








Noch ein paar Worte zur Shelter Bay Marina. Das Areal der Marina liegt abgelegen mitten im Dschungel auf einem ehemaligen Militärkomplex der US Army. Die Zufahrt ist gesäumt von Ruinen, nur wenige Anlagen werden vom panamesischem Militär genutzt. Das bedeutet, es gibt außerhalb der Marina wirklich nichts, was zu Fuß zu erreichen wäre. Zweimal täglich wird ein Shuttlebus zum Einkaufen angeboten, die Plätze sind begrenzt und entsprechend begehrt. Da es Restaurant, Wäscherei und einen Pool gibt, ist der Alltag zu organisieren, man ist jedoch in allen Belangen auf die Marina angewiesen, was sich in Preisen und Umgang niederschlägt. Fast alle Segler hier sind erfahrene Langfahrer, man trifft viele Crews wieder, deren Wege man schon einmal gekreuzt hat. Die Stimmung schien uns jedoch weniger heiter und kommunikativ, als an vielen anderen Orten, wahrscheinlich hängt das damit zusammen, dass hier die Kanalquerung für fast alle das bestimmende Thema ist und jedoch noch an seiner Todo-Liste dessen, was vor der Fahrt durch den Kanal noch zu erledigen ist, arbeitet. Sicher ist das jedoch eine subjektive Einschätzung, die auch unserer speziellen Situation geschuldet sein mag.













Der wesentliche Grund für unseren mehrwöchigen Aufenthalt hier waren aber die anstehenden Arbeiten am Boot. Unser erstes und grundlegendstes Problem war natürlich der gebrochene Baum und die Frage, ob reparieren oder neu fertigen. Seitens der Versicherung gibt es dahingehend nicht wirklich Unterstützung, wir müssen also alle Optionen selbst konkretisieren und letztlich natürlich auch selbst entscheiden. Da wir hier einen recht patenten Handwerker getroffen hatten, der zum einen ebenfalls Adrian hieß (sogar noch besser Adrian Jesus!) und darüber hinaus Aluminium schweißen konnte, hab3n wir uns zunächst für die Reparatur entschieden. So sah das dann aus, es hat alles prima geklappt.











Zum Schluss noch etwas zum Schmunzeln – mein begeistertes Gesicht vor meiner ersten Mastbesteigung. Das sind immerhin 20m und naja, mit der Höhe habe ich es wirklich nicht so. Nachdem ich es dann im zweiten Versuch mit doppelter Sicherung geschafft hatte, war ich dann zwar erst mal fertig mit der Welt, aber doch auch ein bisschen stolz, mich überwunden zu haben.




Hallo Ihr 2, was ein Abenteuer! Ich wäre schon fertig mit der Welt. Ich finde das so toll, wie ihr das alles hinbekommt. Weiter so. Liebe Grüße