Santa Marta nach Panama – Großbaumbruch

Es war ein schöner, klarer Morgen und wir konnten  es kaum erwarten, nach der langen Zeit an Land und in der Marina wieder loszusegeln. Alles hat gepasst und fühlte sich gut an, die Vorfreude auf Panama war groß. Nach den wunderbaren Erlebnissen in Kolumbien sollte es für uns in Panama genauso weitergehen. Dass wir in diesem Seegebiet während der Passage nicht mit Wohlfühlbedingungen zu rechnen hatten, war klar, aber wir hatten uns darauf eingestellt ums die Freude, wieder unterwegs zu sein, überwog deutlich.

Wir haben bewusst keinen küstennahen Kurs gewählt, um im Mündungsbereich des Magdalena-Rivers den komplexen Strömungsverhältnissen und eventuellem Treibgut auszuweichen. Nach knapp 2 Stunden frischte der Wind deutlich auf und auch die Wellen zeigten die erwarteten Höhen von 2 bis 2,5 Metern. Besonders gemütlich war das nicht mehr, aber auch kein Grund zur Beunruhigung. 

Da der Wind weiter zunahm, beschlossen wir zu reffen (die Segelfläche zu verkleinern). Ich bereitete gerade die Leinen vor , da passierte es: eine deutlich größere Welle traf uns unerwartet von der Seite und versetzte mich unsanft auf den Cockpitboden. Der Autopilot verlor die Kontrolle, Adrian sprang an Deck und übernahm sofort das Steuer, konnte aber eine Halse nicht mehr abwenden. Während ich noch versuchte, wieder auf die Beine zu kommen, hörten wir es unspektakulär knacken und sahen wie in Zeitlupe zu, wie unser Großbaum vor unseren Augen fast mittig einmal durchbrach. Da Leinen durch das Profil laufen, fiel der abgebrochene Teil nicht herunter, sondern schaukelte bedrohlich vor unseren Cockpitscheiben. Adrian könnte das Boot schnell wieder unter Kontrolle bringen und der Autopilot arbeitete wieder. Jetzt galt es, das Großsegel so weit wie möglich wieder in den Mast zu rollen und die beiden Teile des Baumes so zu fixieren, das sie trotz bewegter See keine Schäden am Boot anrichten konnten. 

Es gelang zwar nicht, das Segel vollständig einzuholen, die verbleibende Fläche war aber klein genug, um kein Risiko darzustellen. Den Baum konnte Adrian aber absolut sicher fixieren, so dass wir mit Vorsegel und Motorunterstützung zunächst einmal weiterfahren konnten. Da keine unmittelbare Gefahr mehr bestand, konnten wir uns in Ruhe mit der Situation auseinander setzen und unsere Optionen abwägen. Wir waren noch nicht sehr weit von Santa Marta entfernt, könnten also umkehren. Das haben wir schnell ausgeschlossen, da es auch in unserer Fahrtrichtung Möglichkeiten zum Ankern bzw. festmachen gab. 

der gebroche Großbaum

  Relativ schnell haben wir uns zu folgendem Vorgehen entschlossen: Wir würden versuchen, noch vor Einbruch der Dunkelheit Puerto Velero zu erreichen, eine etwas abgelegene Marina zwischen Santa Marta und Cartagena. Dort würden wir dann in Ruhe den Baum hochseetauglich sichern, einen der Bäume für die Passatbesegelung als Ersatz verwenden und versuchen, noch möglichst viel Diesel nachtanken zu können. Dann würden wir direkt in die Shelter Bay Marina in Panama fahren, wo wir bereits einen Termin fürs Kranen und ein neues Antifouling gemacht hatten. Dort sollten unserer Meinung nach auch die besten Chancen auf eine fachgerechte Reparatur bzw. Lieferung eines neuen Baumes bestehen. Leider bedeutete dies aber auch, dass die geplanten 2 Wochen „Wellness“ in den San Blas Inseln

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